In-Teams-sein: Eine Existenzform

Vor Kurzem hielt ich ein Seminar zu Teamentwicklung ("Gute Teams versetzen Berge"). Mein Ausgangspunkt war: Teams können Berge versetzen und schier Unglaubliches leisten, aber wie? Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, endlich den "Trick" zu erlernen, wie das geht - manche sind enttäuscht, wenn sie ihn nicht erfahren. Trotzdem ist es erlernbar.

17 Mrz, 2015

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Wir wissen aus Studien und Erfahrung, dass heterogene Teams erfolgreicher sind als homogene. Soll heissen: gerade dann, wenn wir unterschiedlich sind, unterschiedliches können (und vielleicht auch wollen?), gerade dann sind wir wirklich hochleistungsfähig. Aber noch immer ist offen: wie?Viele Menschen kommen mit dem Wunsch, endlich den „Trick“ zu erlernen, wie das geht – manche sind enttäuscht, wenn sie ihn nicht erfahren.Dabei ist nichts falsch am Bedürfnis, den „Trick“ zu können. Es entspringt dem Bedürfnis, orientiert und handlungsfähig zu sein, und das schafft vor allem eines: Es geht uns besser damit.

Teamarbeit nach Kochrezept?

Viele Trainer versprechen ihren Kunden, den „Trick“ oder gleich die „Tricks“ zu vermitteln, so eine Art Kochrezept mit Menschen – ein verstörender Gedanke fürwahr. Leider verkauft er sich gut.

Mein Zugang ist das nicht. Ich glaube, dass Kochrezepte nur sehr oberflächlich nützen. Sie machen ein gutes Gefühl in der Seminarsituation, und sie lassen Erleichterungsblitze aufkommen, wenn eine gelernte Praxis unter geplanten und kontrollierten Bedingungen eingesetzt wird.

Und wenn nicht? Wenn die lähmende Müdigkeit, die ewige Widerrede, die Unpünktlichkeit, das Abschweifen und alle anderen Formen des Widerstands Platz greifen? Dann hilft keine Methode. Dann stehen die Köche vor einem Brei, der weder schmeckt noch verbesserbar ist. Tricks haben sie in eine Situation gebracht, aus der es keinen guten Weg mehr heraus gibt.

Mein Zugang beginnt viel früher und viel tiefer.

In-Teams-sein als Existenzform

Ich gehe von folgender Grundannahme aus: Teams sind eine Existenzform. Wir Menschen sind von sozialen Beziehungen viel stärker geformt, als wir gerne zugeben. Teams mit ihren intensiven sozialen Interaktionen formen uns so stark, dass es Sinn macht, uns ein Stück weit als veränderte Existenz zu betrachten.

Diese Existenzform zu begreifen, ist der wirkliche Schlüssel, um handlungsfähig zu sein.

Dann haben wir nämlich das zentrale Team-Thema auf dem Schoß: Es geht darum, Ambivalenzen wahrzunehmen und auszutarieren – individuelle wie innerhalb des Teams. Es geht darum, die eigene Balance zwischen selbst-sein und zusammen-sein zu gehen, die Balance zwischen Stabilität und Veränderung (diese zwei Achsen ergeben übrigens das Riemann-Thomann-Kreuz, mit dem ich oft arbeite). Gute Teams schaffen es, Sacharbeit und Beziehungsarbeit auszubalancieren, Bewegung zwischen Individuum, Gruppe und Inhalt herzustellen (die drei Pole sind aus der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn, deren Arbeit ich überaus schätze) und mehr.

Natürlich komme ich dabei mit einem in intensiven Kontakt: mit mir selbst. Ich öffne damit Fenster in meine Innenwelt und ermögliche Resonanz mit dem Außen. Das mag von vielen Menschen nicht intendiert sein, denn wer lässt sich gerne freiwillig auf sich selbst zurückwerfen?

Aber darin liegt die wahre Chance am Teamtraining: auszuloten, was das alles mit mir zu tun hat. Auch wenn das manchmal widerständig erscheint, so zu arbeiten, ich werde es weiter tun.

Es geht schlichtweg darum, den zentralen Dingen nicht aus dem Weg zu gehen.

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