Männer richtens an, Frauen richtens wieder?

Ich riskiere jetzt, dass ein paar Männer gleich aufhören zu lesen. Bitte nicht. Noch eine Minute Geduld. Das Thema hat nämlich was. Es geht darum, dass wir in turbulenten Zeiten nach der polternden Befreiung suchen, damit spektakulär einfahren, und dann müssen es andere mit ruhiger Hand richten, und das sieht dann niemand.

14. April 2026

} 3 Minuten zu Lesen

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Kürzlich erzählte mir meine Partnerin in entrüstetem Ton „Warum machen soviele Männer gerade soviel kaputt, und dann müssens die Frauen richten?“ Und tatsächlich – ein paar Beispiele gibt es ja. Da wäre zum Beispiel die bei weitem beliebteste österreichische Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, die als Chefin eines Expert:innenkabinetts die Republik für mehrere Jahre leitete, nachdem die Streithähne Strache und Kurz ihre Regierung mit den Gärgasen ihres eigenen Sumpfs in die Luft gesprengt hatten. Da gibt es die Theaterfachfrau Karin Bergmann, die nun die Salzburger Festspiele leitet, nachdem dort Markus Hinterhäuser nach schweren Vorwürfen geschasst wurde – sie leitet bezeichnenderweise interimistisch, und nicht zum ersten Mal, sie tat das schon 2014-16 im Wiener Burgtheater. Oder die Journalistin Ingrid Thurnher, die (auch interimistisch) die Leitung des Österreichischen Rundfunks übernahm, nachdem Roland Weissmann abrupt gehen musste. Dann gibt es Anita Orbán, die wahrscheinlich die nächste Außenministerin Ungarns wird und in Brüssel die Tassen kleben muss, die ihr namensgleicher Premier zerschmissen hat (und nein, sie ist mit ihm nicht verwandt und schon gar nicht befreundet). Mit Vorsicht genießen müssen wir das Beispiel der neuen venezolanischen Regierungschefin Delcy Rodríguez, die bei aller Involvierung mit dem Staatsstreich der USA immerhin ein Chaos verhindert hat (Trump war das nämlich mit Sicherheit nicht).

Wissenschaftlich ist nicht alles, was hinkt, gleich ein Vergleich, aber wenn wir von den Einzelfällen abstrahieren, dann ist die Frage, ob sich ein Muster konstruieren lässt, aus dem wir etwas lernen können.

Die große Regression bringts nicht

Zum Beispiel, dass wir in Zeiten großer Angst dazu tendieren, zu regredieren. Wir hören auf, wirksam zu handeln und entwickeln die Heilsphantasie, dass uns jemand anderer rausholt. Nein, kein Genderfehler: Meistens sind es Männer, die dafür in Stellung gehen und behaupten: ICH sehe das Problem, ICH weiß, was zu tun ist, und jetzt bräuchte es einfach ein wenig – genau: harte Schnitte, klare Entscheidungen, Köpferollen, Opfer. Was sie selten sagen, aber oft meinen: Gewalt. In diesem Sinne sind die Trumps und Musks dieser Welt also ein Ergebnis unseres Unterbewusstseins, das sie nach oben spült.

Und leider sind die Zeiten großer Angst auch die Zeiten großer Ungewissheit, und es ist überhaupt nicht klar, was das Problem ist, was zu tun ist, und mit Gewalt schon garnicht. Mich erinnert es an meine Ausbildung im Felsklettern: Wenn du in der Wand stehst und Steinschlag hörst, dann darfst du dich nicht ducken: Jeder Stein ab Faustgröße verletzt dich schwer und kann dich locker töten. Du schaust nach oben, um zu sehen, woher er kommt. Dann trittst du gezielt einen Schritt zur richtigen Seite. Und die richtige Seite siehst du nur, wenn du schaust.

Nicht Mann-Frau: Impulskontrolle

Abstrahieren wir – erstens – mal von der Mann-Frau-Geschichte, denn ich kenne auch in meiner Branche viele besonnene Männer. Ich habe auch schon Frauen kennen gelernt, für die das Durchreißen und Kaputtmachen eine gültige Methode ist (vor allem, wenn sie am Schluss selber obenauf kommen). Und wenden wir uns davon ab, auf die Projektionsflächen zu starren, sondern wenden wir uns dem Projektionsgenerator in unserem Unterbewusstsein zu. Dort steht geschrieben, wie wir tun, wenn wir Angst haben. Tendieren wir „nach vorne“ in die Aggression? Dann sind wir eher verleitet, den „starken Mann“ zu machen. Tendieren wir „nach innen“ in die Angst? Dann sind wir eher verleitet, den starken Männern zu folgen, und meistens ein wenig blinder als wir selbst gerne zugeben. Oder sind wir in der Lage, unsere Impulse zu halten und uns umzusehen?

Wenn wir in Führungsrollen sind, müssen wir auch einem Impuls widerstehen: Der nach dem manipulativen Appell an die Angst und dem Einsammeln von Heilsphantasien. Das schafft uns zwar Gefolgschaft, und das schafft Macht. Aber schafft es uns auch Lösung? In der Regel nicht. Nicht umsonst sind solcherart aufgeladene Figuren in der Regel selbst bedroht und alleine, haben Angst – und an wen glauben sie dann? Es ist also weder funktional noch angenehm, dergestalt manipulativ zu führen.

Noch immer sind gute Lösungen oft unspektakulär, unsichtbar. Oft bestehen sie daraus, Hände zu ergreifen und Kooperation wirken zu lassen. Gute Lösungen haben meist viele Eltern.

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