Am Stefanitag zogen an die tausend Corona-Leugner:innen durch Graz. Der ORF zeigte Bilder von Leuten, die verbittert in die Kamera schreien, dass sie hier für ihre Freiheit demonstrieren, und gegen den Zwang. Bei alldem, wie einen das auch anwidern kann, steigt ein seltsames Gefühl mit auf: Diese Menschen fühlen sich einmal stark und selbstwirksam in dieser Krise, die sie (wie uns alle ein wenig) ohnmächtig macht.

Natürlich ist es ein riesiger Betrug, wenn sie glauben, dass der Virus weggeht, wenn man dagegen demonstriert. Wir Menschen suchen viel öfter nach Entlastung als nach Lösung – und Verdrängen entlastet auch. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Hier geht es um den Gedanken, dass wir alle ein wenig so sind. Wiebitte? Ja, sind wir.

Wir suchen nach dem Platz, an dem wir selbst wirksam sind. Das ist ein wichtiger, gesunder Antrieb. Wer einen öden Job hat, geht danach fischen und freut sich über jeden Hecht. Wer einen tollen Job hat, findet die Selbstwirksamkeit dort – die Entspannung ist danach wichtiger als der Fisch. Das ist nicht neu – siehe hier und hier. Gute Organisationen nützen diesen Antrieb zur Selbstwirksamkeit, geben ihm Raum und Sinn. Sie kümmern sich um ihre Kultur, sie ermöglichen Teilhabe durch Leistung und gemeinsamen Erfolg.

Ich? Wirksam? Betrug!

Mit der Corona-Pandemie könnte da einiges durcheinander geraten sein. Die Kontaktbeschränkungen und das Homeoffice machen uns einsamer als sonst und verführen uns dazu, uns als die einzigen Wirksamen zu erleben, die jetzt alles machen müssen. Und das verführt uns dazu, andere Menschen als Störfaktor der eigenen Selbstwirksamkeit zu erleben. Und dann werden wir grantig. Das ist wie ein Brandbeschleuniger.

Wir können halt nicht alleine selbstwirksam sein. So einfach ist das. Wir brauchen die Anderen dazu, und nicht nur als Helfer oder Diener, sondern als ebenbürtige Gegenüber, mit ihrem eigenen Drang, selbstwirksam zu sein.

Wie kriegen wir das hin? Indem wir uns für die Selbstwirksamkeit der Anderen interessieren. Was findet mein Gegenüber sinnvoll, zu tun? Wieso ist das so? Wie können wir in Kontakt bleiben und die Differenzen klären, damit wir beide etwas sinnvolles tun? Das ist das Tor dazu, gemeinsame Wirksamkeit zu erleben.

Die dritte Ebene

Gute Organisationen kümmern sich um genau das: Dass die Antriebe der Einzelnen zu einem sinnvollen Ganzen werden. Besonders erfolgreiche Organisationen arbeiten damit, dass die Mitarbeitenden den konkreten Sinn ihres Tuns selbst klären.

Der Königsweg ist die Gestaltung von drei Ebenen der Wirkung in der Organisation: (1) was und (2) wie gearbeitet wird, (3) die Formen, mit denen gestaltet wird, wie gearbeitet wird. Je besser die dritte Ebene arbeitet, umso weniger muss angeschafft werden. Das ist eine der Kernfunktionen beim agilem Arbeiten.

Wenn wir uns umsehen, welche Betriebe gut durch die Krise gekommen sind, dann fällt auf, dass jene, die diese dritte Ebene im Blick hatten, besser gesegelt sind. Palfinger war so ein Beispiel, oder Airbus. Sie setzten auf dezentrale Kommunikation. Es ging darum, flexibel auf eine veränderte Situation zu reagieren, auszuprobieren, zu lernen, und die Lernerfahrungen (und auch das Scheitern) zu teilen. So verbreitet sich best practice nicht durch Verordnung, sondern dadurch, dass es „best“ ist. Die Führung war in der Rolle, diese Kommunikation zu ermöglichen.

Ein aktives Leben

Hannah Arendt schrieb in ihrem Lebenswerk „vita activa oder Vom tätigen Leben“ von drei Formen des Tätigseins: Die Mühsal (Arendt bezeichnet es mit „labor“: Tun in Unfreiheit ohne Selbstwirksamkeit), das Schaffen („facere“: etwas machen und herstellen mit Bezug zum Ergebnis). Und über allem das wirklich wirksame Tun: „Handeln“ – das Tun im Kontakt mit Anderen.

Genau diese drei Ebenen finden wir hier wieder – und die Einsicht, dass nur das gemeinsame Handeln wirklich selbstwirksam macht.

Lernen aus dem Corona-Jahr

In einigen Monaten werden die Einschränkungen zurückgehen, und wir können überlegen, wie wir das in den betrieblichen Alltag übersetzen. Folgende These: Wir können qualitätsvoller Präsenz eine Renaissance verschaffen in einer Zeit, in der Online eine selbstverständliche Kommunikationsform bleiben wird. Dazu hat die Gruppendynamik eine Menge anzubieten. Aber dazu ein andermal.


Darf ich Sie was fragen?

Wie häufig lesen Sie den Newsletter?

Wie finden Sie den Inhalt?

Finden Sie ihn informativ?
Passen die Themen zu Ihren Themen?
Gefällt Ihnen der Schreibstil?
Fühlen Sie sich ernst genommen?

Wie gefällt Ihnen die Aufmachung?

Wie gut wird der Newsletter für Sie dargestellt?
Sind die Texte lang genug?
Sind die Texte kurz genug?
Wie sehr mögen Sie die Bildersprache?

Worüber würden Sie gerne mehr lesen?

Gibt es etwas, was Sie stört?

Wie finden Sie die Frequenz der Aussendungen?

Was möchten Sie mir gerne sonst noch sagen?

Kurze Frage: Wer sind Sie?

Ich bin ...

Dankeschön! Möchten Sie Feedback?

... dann brauche ich Ihre Email-Adresse. Keine Sorge, ich verwende sie zu sonst nichts.

(102-mal angesehen, 1-mal heute)