Motivation und Führung

Wie motiviert und führt man Menschen – auch, aber nicht nur in der Freiwilligenarbeit? Claus Faber im Gespräch mit André Martinuzzi von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Motivation ist ein innerer Impuls: Man kann ihn nicht machen, sondern nur der willigen Hand einen Hebel bieten. Ich muss also fragen: Was motiviert Menschen zu ehrenamtlichem Tun? In erster Linie wollen sie – wenig überraschend – etwas für andere tun, dabei gebraucht werden und dabei Freude haben. Damit die Hand den Hebel findet, muss ich motivierende Räume finden, in denen wichtige Arbeit bei wertschätzendem Kontakt und Anerkennung erfüllend erlebt werden kann. Dabei gilt es, die Balance zu halten zwischen dem, was Einzelne brauchen und dem, was die Gruppe braucht.

Ehrenamtlich tätige Menschen müssen nicht hier sein: Sie wollen hier sein. Sie erwarten von ihren „Führungskräften“ etwas, was ihrem Handeln einen Sinn gibt. Ihre Wirkung der Arbeit und die Erfahrungen dabei sind ihr einziger Lohn – also sollte der stimmen. Dabei ist Führung nicht gleich Hierarchie: Hierarchie schafft Struktur, und diese braucht jede Organisation. Führung ist das Geschehen, das bewirkt, dass Menschen sich gerne einordnen, um gemeinsam für etwas Größeres zu arbeiten: Führung ist also keine Tätigkeit, keine Funktion und auch kein Titel, sondern ein Geschehen, das sich zwischen Menschen entspinnt.

Führung hat zwei Aufgaben, nicht mehr und nicht weniger: Das Stiften von Sinn und das Stiften von Ordnung. Mit Sinn meinen wir das, was in den Menschen das Gefühl auslöst, dass ihre Energie für etwas gut ist; dass ihre Arbeit Sinn macht. Ordnung ist ebenfalls jenes Geschehen, durch das die Menschen erkennen, wie sie ihre Energie einsetzen können, sodass sie ihre Energie auf den Sinn ausrichten können – ihn also auch erreichen können.

Jeder Mensch führt: zumindest sich selbst. Alleine die Überlegung, ob und wie ich eine Anweisung ausführe, ist schon ein Akt der Selbstführung. Man überblickt seinen eigenen Bereich, sichtet seine Grenzen, erkennt Möglichkeiten und Grenzen, und wählt seine Handlungen. Je größer das Entscheidungsfeld, umso mehr Handeln ist möglich, aber auch umso mehr Folgen sind zu verantworten – oft auch Folgen für andere Menschen. Um unser eigenes Handlungsfeld gut nützen zu können, sollten wir regelmäßig reflektieren: innehalten und (alleine, mit anderen, in Supervision oder Coaching) nachdenken, wie wir tun.

Diese Interviews entstanden aus einem Projekt für power2help, einer Initiative des Institute for Managing Sustainablilty der Wirtschaftsuniversität Wien in Zusammenarbeit mit der Beraterin Sabine Eichinger. Außer dem Modul zu Führung gibt es auch ein Modul zum Umgang mit Medien, Burnout-Prävention und Organisationsformen und Finanzierung.

Alle Interviews, Skripten und Reflexionsfragen sind als e-learning-Module auf power2help.at abrufbar. Der Login ist kostenlos.