Vision einer Verkehrsorganisation: „missing link“ in der Verkehrspolitik

Österreichs Öffentlicher Verkehr steht am Scheideweg: Er ist trotz aller Unzulänglichkeiten einer der erfolgreichsten in Europa – inklusive Schweiz. In Anbetracht dessen, dass die Schweiz mehr als das Doppelte an öffentlichen Geldern in ihren Öffentlichen Verkehr investiert, ist diese Position ausgezeichnet. Während allerdings andere Länder in der EU (von weit niedrigerem Niveau) zulegen, geht Österreichs Öffentlicher Verkehr zurück. Dies ist nicht primär eine Frage der Finanzen, es ist eine Frage der Strukturen.

 

Ein „Neustart“ für Österreichs Öffentlichen Verkehr muss auf folgenden Säulen ruhen:

 

  1. Politisch festgelegte Ziele: Wer nicht weiß, was er will, weiß nicht, wie er es am besten bekommt. Es gibt (im Unterschied zur Schweiz) keine politische Zielbestimmung, was Öffentlicher Verkehr leisten soll und wer die Kosten und Lasten dafür tragen soll. So gibt es zu den fehlenden Zielen auch keinen eindeutigen Adressaten;
  2. Strategie: Ein leistungsfähiger Öffentlicher Verkehr kann nicht mit einem Fleckerlteppich an Plänen, Konzepten und Finanzierungen erzielt werden. Eine übergeordnete Strategie muss österreichweit fest stehen, längerfristig verfolgt und entwickelt werden und international in den Zentralraum Europa eingebettet sein;
  3. Struktur: Öffentlicher Verkehr muss übergreifend zwischen den Gebietskörperschaften organisiert werden, und zwar so dezentral wie möglich, aber so zentral wie nötig. Eine genaue Festlegung der Koordinationsprozesse (für die Kooperation) und der Schnittstellen (für die Abgrenzung) der Aufgabenträger ist notwendig.

Zitierhinweis

Faber, Claus (2009): „Neustart für den Öffentlichen Verkehr“, in: T. Brezina, G. Emberger et al.: Handbuch Öffentlicher Verkehr. Schwerpunkt Österreich.; Bohmann Verlag, Wien, 2009, ISBN: 978-3-901983-91-7; 302 S.

Das Kapitel „Neustart für den Öffentlichen Verkehr“ in diesem Sammelband zeigt eine mögliche neue Organisationsform basierend auf Zielen und klarer Organisation.