„Idioten“, ließ ich mich kürzlich von Hermann Scheer (im Brennstoff Nr. 35) aufklären, sind nicht die Blöden: Nach dem ursprünglichen Wortsinn der alten Griechen sind „idiotai“ jene, die sich ausschließlich um ihre Privatangelegenheiten kümmern.
Der Gegensatz zum idiotes ist das zoon politikon, der für-das-Gemeinwesen-engagierte. Es galt damals als moralische Pflicht, ein solcher zu sein. Fairerweise muss man dazusagen:

  • Das alles betraf keine Frauen, keine Leibeigenen und keine Sklaven. Wer also so ein zoon politikon sein durfte, war schon recht eingeschränkt, um es höflich auszudrücken.
  • Damals gab es noch keine professionellen PolitikerInnen, die Politik als Geschäftsmodell betrieben. Der deutsche Politologe und Institutionalist Wolfgang Streeck beschreibt die heute verbreitete Form der Politik „private interest government“ – eben jenes Hineintragen des Privaten in öffentliche Politik, sodass Politik des „Öffentlichen“ immer weniger Platz hat.

Wer hat die Rolle heute? Vielerorts wird die „Zivilgesellschaft“ als jener Bereich beschrieben, der diese Rolle übernommen hat.

Wie tun wir Einzelnen damit?

Ich zumindest widme einen Teil meiner Arbeitszeit der Arbeit in der Zivilgesellschaft – als Gründungsmitglied von Attac, und zum Beispiel mit dem Trainingsangebot „Gute Teams versetzen Berge“ auf der Aktionsakademie – vom 28. mai bis 1. Juni 2014 in Steyr. Oder das „PolitLab“, als zivilgesellschaftliches Organisationslabor.

(729-mal angesehen, 1-mal heute)